20. Mai 2017
09.00 - 16.00 Uhr

Thema:

Weihrauch und Myrrhe - Phytotherapie in der Onkologie


Referent:
Dr. med. Erwin Häringer, München


Vortragsbeschreibung:

Die Aromatherapie gehört zur Phytomedizin und ist eine der tragenden Säulen der klassischen europäischen Naturheilkunde (TEM). Sie  ist die "grüne" Mutter der Schulmedizin.

Bei der Verwendung ätherischer Öle, die fälschlicherweise als sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe bezeichnet werden, haben wir sowohl eine pharmakologische, als auch eine somatische und – nicht nur über den Olfaktorius (Riechnerv) – eine psychische Wirkung.

Das Riechen, der „verborgene“ Sinn, ist der Königsweg zur Seele.

Im Seminar werden vergleichende kulturgeschichtliche und philosophische Zusammenhänge, botanische Besonderheiten und vor allem die Wirkmechanismen der Inhaltsstoffe ätherischer Öle in größerer Zusammenschau erklärt.

Insbesondere der Zusammenhang mit der Homöopathie und auch der Einsatz von Aromasprays und Schüsslersalzen. Die rationale Phytomedizin mit ihren zahlreichen Studien, aber auch erfahrungsheilkundliche Aspekte stehen dabei im Mittelpunkt.

Bewährte Rezeptsammlungen ätherischer Ölmischungen aus Krankenhausoffizinen werden erarbeitet und praktisch umgesetzt.

 

SEMINARINHALTE

• Wirkweisen ätherischer Öle aus pharmakologischer Sicht – die rationale Aromatherapie, mit den Schwerpunkten:

• Demenz, Schmerz, Depression, Frauenheilkunde und adjuvante Onkologie

• Ätherische Öle und das Mikrobiom

• Das Aromatogramm

• Neueste Aspekte der Riechphysiologie

PRAXIS: Erarbeiten von Rezepturen für den Praxisalltag

 

Krankheit ist die Nachtseite des Lebens, eine eher lästige Staatsbürgerschaft. Jeder, der geboren wird, besitzt zwei Staatsbürgerschaften, eine im Reich der Gesunden und eine im Reich der Kranken. Und wenn wir alle es auch vorziehen, nur den guten Ruf zu benutzen, ist früher oder später jeder von uns gezwungen, wenigstens für eine Weile, sich als Bürger jenes anderen Ortes auszuweisen.
Susan Sonntag, Krankheit als Metapher

 

Die Phytotherapie (phytos =der Keimling, das zu Pflanzende, „Pflanze und therapeo, “Ich grabe den Garten sorgfältig um“, im übertragenen Sinn: “ ich kümmere mich um jemanden sehr angelegentlich“). Die Phytopharmaka (griechisch: pharma +e= das, was ich von der Pflanze abschneiden kann) gehören zusammen mit den aus Pflanzen synthetisierten Substanzen (wichtig für die Onkologie) und den chemisch-synthetischen Pharmaka zur Allopathie und somit zur „klassischen Schulmedizin“, mit gegen die Krankheit gerichteter Wirkung; sie werden nach den gleichen Kriterien wie chemisch-synthetische Produkte gemäß dem AMG 2 zugelassen. Darüber hinaus haben sie den Vorteil durch ihre Nebenwirkungsarmut keine Angst zu erzeugen und tragen zu einer höheren Adherenz bei (Compliance kann auch mit Angst funktionieren!).
In dem sehr lesenswerten und mit Empathie geschriebenen Buch „Biologische Krebsbehandlung heute“ werden für den Arzt und vor allem für den Patienten wichtige Aspekte dargestellt. Es liegt Ihnen als Kursmaterial, samt CD ebenfalls vor. Die Phytotherapie macht aber gerade einmal eine Seite aus, allerdings mit einer guten
Übersicht (Tab.6.7 Seite 110).
Das ebenfalls sehr praktikabel geschriebene Buch von P. Holzhauer/U. Gröber „Checkliste komplementäre Onkologie“ im Hippokrates Verlag, ISBN 978-3-8304-5343-7, kommt auf 1 Seite, (und erwähnt Hypericum perforatum; Zingiber officinalis und Boswellia serrata); allerdings folgt eine etwas umfangreichere Monografie zu Viscum sp. (Seite 141 bis 155 mit guter Literatur. Ansonsten wird mit Salix alba, Harpagophytum procumbens, Symphytum officinale, Arnica montana, Boswellia sacra/serrata, Hypericum perforatum nur adjuvante Schmerztherapeutika aufgelistet. Auch Aquaretika (hier fälschlicherweise als “Diuretika“ bezeichnet) wie: Solidago virgaurea , Asparagus officinale, Equisetum arvense und Juniperus communis werden kursorisch erwähnt. Und auch die bewährten Standardwerke von Weiss/Fintelmann; Schilcher et al.; Saller et. al. und U. Bühring nennen Phytopharmaka in der adjuvanten Therapie eher kursorisch- was ihre Praktikabilität für den allgemeinen Gebrauch nicht schmälert, aber für den fachlich weiterführend Interessierten gelegentlich in der Onkologie unbefriedigend ist, da häufig Fragen der Patienten nicht ausreichend beantwortet werden können. Aus urheberrechtlichen Gründen können nicht alle im Seminar vorgestellten pathophysiologischen Aspekte und Wirkmechanismen in der Chemie der Naturstoffe im hand-out abgebildet werden. Das betrifft insbesondere die neueren Aspekte der Phytoaromatherapie, sowie Farnesyltransfer- asehemmung durch Perilliaaldehyd und Limonen und das breite Wirkspektrum von Tropaeulum majus und Amoracia rusticana mit den Isothiozyanaten in der Therapie von Krebserkrankungen. Die Botanik und die Kenntnis der die Wirksamkeit bestimmenden Inhaltsstoffe -soweit bekannt- sind im Skript nicht gesondert beschrieben; sie können in jedem der oben genannten Werke nachgelesen werden.
Besonders lesenswert ist jedoch das Werk von Pfeiffer, Preiß und Unger: Onkologie integrativ, bei Urban und Fischer, ISBN 13:978-3-437-56420-8; leider wird die Aromatherapie als integraler Teil der Phytotherapie- auch in der adjuvanten Form, z.B. bei Übelkeit und Erbrechen, nur unzureichend dargestellt; das zugehörige Literaturverzeichnis, sonst eine Stärke dieses Werks, ist leider ungenügend. Pflanzen in der adjuvanten onkologischen Phytotherapie ergänzt nach den Erfahrungen des Verfassers mit Heilpilzen, rationalen orthomolekularen Substanzen....
Motto Nr.1 „Der Naturheilkundler und der Naturwissenschaftler beschäftigen sich mit der Natur des Menschen“
Motto Nr.2: „Menschliche Wissenschaft ist notgedrungen subjektiv; stellt sich die Frage: ist „Heilkunst“ überhaupt eine „Wissenschaft“? Oder sprechen wir nicht besser nur von unserem gegenwärtigen Unwissen?“